Einsatz der Feuerwehr Bessenbach bei dem schweren Verkehrsunfall am 9. November auf der A3 bei Rohrbrunn

Vor einigen Tagen ereignete sich auf der Autobahn ein schwerer Verkehrsunfall, der nicht nur wegen der „Gaffer-Thematik“ in allen Nachrichten war. Nachfolgend ein Bericht der Feuerwehr von diesem Großeinsatz:

Ein folgenschwerer Lkw-Unfall hat sich am Donnerstag, 09.11.2017 auf der Bundesautobahn A3 im Baustellenbereich ca. 300 m vor der Rastanlage Spessart in Fahrtrichtung Frankfurt ereignet. Die Lage an der Unfallstelle war so chaotisch und unüberschaubar, dass erst einige Tage nach dem Unfall folgender durch ein Gutachten gestützter Unfallhergang angenommen werden konnte: Ein mit Paketen beladener Lkw-Gliederzug war gegen 04:20 Uhr in Richtung Würzburg unterwegs, als der Fahrer einen vor ihm bremsenden Kleintransporter zu spät bemerkte, nach links auswich und dabei mit dem vorausfahrenden Laster kollidierte. Der Paket-Lkw kam dabei nach links über die Mittelabtrennung der Baustelle in den Gegenverkehr. Dort stieß er mit einem in Richtung Frankfurt fahrenden und mit Kies beladenen Muldenkipper zusammen. Dieser geriet ins Schleudern, drehte sich komplett um den Paketlaster, kippte um und blieb quer auf der Fahrbahn liegen. Ein mit Paletten   beladener Sattelzug fuhr noch auf beider verunfallten LKW auf. Für den Fahrer des Kies-Lkw und einen Insassen des Paket-Lkw kam jede Hilfe zu spät, der zweite Insasse des Paketlasters verstarb später im Krankenhaus. Die Feuerwehren aus Weibersbrunn, Waldaschaff und Bessenbach wurden um 04.25 Uhr zu dem Unfall alarmiert. Schon die Anfahrt gestaltete sich als Herausforderung, da durch hohes Verkehrsaufkommen beide Fahrbahnen und auch die Rastanlage völlig überfüllt waren. Deshalb war für die Feuerwehr Bessenbach nur ein Anfahren der Unfallstelle über die Bundesstraße möglich. Beim Eintreffen mussten die Einsatzkräfte sich zunächst einmal ein Überblick der Situation verschaffen. Es ist schwer vorstellbar welches ``Schlachtfeld´´ sich den Ersteintreffenden geboten hat. Die Unfallstelle umfasste ca.300 Meter über beiden Fahrspuren und beide Richtungen. Der Fahrer des Kieslasters befand sich noch in seinem Führerhaus und wurde mit schwerem Rettungsgerät befreit. Weiterhin begannen die Feuerwehrleute - maßgeblich Feuerwehrsanitäter aus Bessenbach - mit Wiederbelebungsmaßnahmen an dem verunglückten Insassen des Paket-Lkw. Sowohl der Kieslaster als auch der Paket-Lkw wurden mit den Seilwinden des Versorgungs-LKWs von Bessenbach und der beiden Rüstwagen aus Weibersbrunn und Waldaschaff gegen weiteres Abrutschen gesichert. Eine Anfahrt war nur in Fahrtrichtung Würzburg möglich; daher musste sämtliches Gerät über die Mittelleitplanke geschafft werden. Die Feuerwehren Bessenbach und Dammbach demontierten die Leitplanken mit Schlagschraubern, damit schweres Bergungsgerät bis zur Unfallstelle vorrücken konnte. Weitere Leitplankenteile zerteilte man mit Hilfe einer Säbelsäge, Motortrennschleifer und anderem technischen Gerät. Weiterhin wurden durch die Feuerwehr Bessenbach die Kraftstofftanks der Unfallbeteiligten Lkw entleert und umgefüllt, bevor die Lkw dann aufgerichtet und abtransportiert werden konnten. Der mit Kies beladene Lkw war derart zerstört, dass er von den Einsatzkräften aus Bessenbach mittels schwerem Gerät zerteilt werden musste. Die Feuerwehrleute unterstützen zudem beim Bergen der Pakete und der Beseitigung des über die Fahrbahn verstreuten Kieses. Die Feuerwehren Bessenbach, Dammbach und Hessenthal führten in Absprache mit der Polizei verkehrslenkende Maßnahmen weit über die Einsatzstelle hinaus durch. 

Es waren insgesamt 75 Feuerwehrkräfte mit 20 Fahrzeugen der Feuerwehren Weibersbrunn, Waldaschaff, Bessenbach, Dammbach und Hesssenthal unter der Leitung des Weibersbrunner Kommandanten Fred Gellner an der Einsatzstelle. Unterstützt wird er dabei von Kreisbrandinspektor Otto Hofmann und Kreisbrandmeister Marco Eich. Kreisbrandrat Karl-Heinz Ostheimer war ebenfalls vor Ort. Der Rettungsdienst war mit 14 Einsatzkräften, darunter zwei Notärzten und einem Einsatzleiter in den Einsatz eingebunden. Die Autobahn war bis in den späten Abend in beide Fahrtrichtungen voll gesperrt und konnte erst gegen 20:30 Uhr nach Beendigung der Aufräumarbeiten wieder für den Verkehr freigegeben werden. 

Die Feuerwehr bedankt sich bei allen Einsatzkräften, die den ganzen Tag über (04:24 bis 20:30 Uhr) im Einsatz waren. Speziell auch dem Personal vom Gemeindebauhof, das ab ca. 08:00 Uhr zum Einsatz kam.

Ein ganz spezieller Tag fand erst gegen 22:30 Uhr sein Ende, nachdem wir am Abend um 20:38 Uhr nochmals auf die A3 alarmiert wurden. Hier stand allerdings nur ein Lkw mit Motorschaden auf dem mittleren Fahrstreifen. Dieser wurde von der Feuerwehr Bessenbach zuerst auf den Seitenstreifen und später auf einen Rastplatz geschleppt. Aufgrund des Unfalls am Morgen war der Parkplatz aber derart überfüllt, dass die Polizei erst für Freiraum sorgen musste. 

Der Bericht der Feuerwehr zeigt sehr eindrücklich, was unsere Feuerwehrleute an diesem Tag geleistet haben. Besonders hervorheben möchte ich hier auch die enorme emotionale Belastung, denn hier sind Familienväter, Ehemänner und Freunde ums Leben gekommen. Was eine solch extreme Situation für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte bedeutet und die für einen Unbeteiligten sicherlich nur sehr vage vorstellbar ist. Daher meinen allergrößten Respekt und vielen herzlichen Dank den beteiligten Feuerwehrfrauen und -männern für ihren unglaublichen Hilfeeinsatz bei diesem schrecklichen Unfall! Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass unsere Bessenbacher Feuerwehrleute rund um die Uhr bereitstehen, um ihren Mitmenschen im Notfall schnell Hilfe zu leisten!